© Frisling

Wildschwein

Das Wildschwein (Sus scrofa) ist ein sehr anpassungsfähiger Allesfresser. Es ist die Stammform unseres Hausschweins.

Die oberen und unteren Eckzähne des Männchens stehen aus dem Maul heraus und krümmen sich nach oben. Mit diesen furchterregenden Waffen versuchen die Keiler bei den Weibchen Eindruck zu schinden. In Ausnahmefällen können sie bis zu 30 cm lang werden. Normal sind 20 cm, aber es ragen meist nur 10 cm aus dem Kiefer. Die Zähne der Weibchen sind sehr viel kürzer.

In der Jägersprache wird das Wildschwein Schwarzkittel genannt, weil sein Fell im Winter dunkelbraun bis schwarz gefärbt ist.  

Im Sommer wirken die Tiere wesentlich schlanker, weil ihnen dann die dicke Unterwolle fehlt.

Neu geborene Wildschweine nennt man Frischlinge. Sie haben ein weiches, hellgelbes bis braunes Fell, mit dunklen Längsstreifen und Flecken. Diese Streifen und Flecken sind so individuell, dass man die Jungtiere daran eindeutig identifizieren kann. Nach drei bis vier Monaten verlieren die Jungtiere ihr Muster und sind dann einfarbig wie ihre Eltern.

 

Wildschweine gibt es von Portugal bis Japan und von Finnland bis Australien. Je weiter nördlich die Schweine in der Kälte leben, umso mehr Masse legen sie zu. Bei uns in Deutschland erreichen sie ein Gewicht zwischen 150 und 200 Kilo. Die Bachen sind etwas leichter als die Keiler.

 

Ihre Anpassungsfähigkeit zeigen die Wildscheine bei der Besiedelung unserer Städte. Ihr Bestand wird in und um Berlin auf etwa 10.000 Tiere geschätzt. Unmittelbar in der Stadt leben etwa 4.000 Wildschweine. Sie durchstöbern Mülltonnen und ernähren sich von Essensresten genau wie von Larven und Würmern aus Parks und Gärten. Sie wissen sehr gut, dass ihnen mitten in der Stadt keine Gefahr von den Jägern droht. Wenn die wütenden Anwohner sie mit Besen und Harken zu Leibe rücken, bleiben die Wildschweine gelassen. Sie kehren dann einfach zu einer anderen Tageszeit zurück und wühlen genau dort weiter, wo sie unterbrochen wurden.

 

In unseren Wäldern durchwühlen sie bei der Nahrungssuche den Boden nach Wurzeln, Würmern, Engerlingen, Mäusen, Schnecken und Pilzen. Wildschweine fressen neben Wasserpflanzen auch frische Blätter, Triebe, Früchte, Kräuter und Gräser. Als Allesfresser vertilgen sie natürlich auch Aas. Manchmal brechen sie Kaninchenbaue auf, um die jungen Kaninchen zu fressen. Finden sie die Nester von am Boden brütenden Vögeln, dann fressen sie die Eier oder die Jungvögel. An Gewässern fressen sie Muscheln oder Schilfwurzeln.

Eichen und Buchen spielen eine besondere Rolle bei der Ernährung unserer Wildschweine.

In der Landwirtschaft richten sie erhebliche Schäden an. Sie fressen alle Feldfrüchte, egal ob Kartoffeln, Mais, Getreide oder Rüben.

 

Wenn Wildschweine den Boden im Wald durchwühlen, führt das zu einer Erhöhung der pflanzlichen Artenvielfalt. Sie leistet so einen wichtigen Beitrag zum botanischen Artenschutz. 

 

Wildschweine können sehr gut schwimmen und können auch längere Strecken zurückzulegen. Weil sie sich sehr gehaltvoll ernähren, können sie es sich leisten einen großen Teil ihres Tages ruhend zu verbringen.

Besonders im Sommer suhlen sich die Tiere gern im Schlamm. So ersticken sie Hautparasiten und verwehren anderen stechenden Insekten den Zugang zu ihrer Haut.

In der Nähe ihrer Suhlen scheuern sich Wildschweine mit großer Begeisterung an ihren Malbäumen. Dafür bevorzugen sie Eichen mit grober Rinde oder harzende Bäume wie Kiefern oder Fichten. Diese Bäume lassen sich leicht erkennen, sie weisen bei längerer Nutzung deutliche Spuren auf.

 

Die Paarungszeit beginnt in Mitteleuropa meistens im November und endet im Januar oder Februar. Wenn ihnen ausreichend Nahrung zur Verfügung steht können weibliche Tiere bereits nach 8 bis 10 Monaten geschlechtsreif werden. Allerdings unterdrückt die Leitbache eine zu frühe Schwangerschaft ihrer Nachkommen. Wird die Leitbache geschossen, fällt diese soziale Geburtenkontrolle weg und die Jungtiere vermehren sich unkontrolliert. Männliche Tiere sind oft erst im zweiten Lebensjahr fortpflanzungsfähig.

Während der Paarungszeit kommt es unter den Männchen zu heftigen Kämpfen. Zuerst versuchen sie sich gegenseitig zu beeindrucken. Wenn der Gegner sich nicht beeindrucken lässt, greifen sie zu drastischeren Mitteln um ihn zu vertreiben. Sie versuchen sich dann, Schulter an Schulter weg zudrängen und mit ihren scharfen Eckzähnen zu verletzen. Ihre Hiebe richten sich dann gegen den Bauch und die Flanke des Gegners. So ein Kampf ist erst dann zu Ende, wenn ein Tier aufgibt oder blutend am Boden liegt.

 

Die Tragezeit der Weibchen beträgt etwa drei Monate, drei Wochen und drei Tage. Die Frischlinge kommen in Deutschland zwischen März und Mai zur Welt. Sofort nach der Geburt können sie sehen und sind voll behaart. Sie werden 2,5 bis 3,5 Monate gesäugt. Vor der Geburt trennt sich die Bache von ihrer Rotte und baut sich ein Nest aus Zweigen, Gras, Blättern oder Moos.

Während der ersten Lebenstage sind die Jungtiere sehr nässeempfindlich und auf die Wärme ihrer Mutter angewiesen. Bachen verteidigen ihre Kleinen äußerst heftig gegen andere Tiere und sogar gegen Menschen.

Viele Jungtiere sterben vor allem während der ersten drei Lebenswochen bei Kälteeinbrüchen oder Nässeperioden. Weil es bei uns in Deutschland keine Bären und nur sehr wenige Wölfe und Luchse gibt, haben die Frischlinge von Beutegreifern fast nichts zu befürchten.

 

Erwachsene Keiler leben als Einzelgänger, während die weiblichen Tiere in einer Rotte leben. Oft besteht eine Rotte aus mit einander verwandten Tieren. Eine erfahrene Mutter übernimmt dann die Rolle des Leittieres. Fremde Wildschweine werden in der Regel nicht in eine solche Gruppe aufgenommen. Treffen verschiedene Familien aufeinander, wahren sie Abstand und kommen sich nicht in die Quere. Wenn die Nahrung nicht ausreicht bricht die Gruppe auseinander. Das Gleiche passiert wenn die Leitbache geschossen wird.

Die jungen Keiler aus dem letzten Jahr werden von den Weibchen vertrieben. Sie leben dann bis zur Geschlechtsreife in einem eigenen Junggesellen Verband.

Ab dem zweiten Lebensjahr ziehen Männchen als Einzelgänger durch ihr Revier. Während der Paarungszeit schließen sie sich den Weibchen an und konkurrieren dann mit den anderen Männchen.

 

Der vermehrte Anbau von Mais lässt die Bestände der Wildschweine steigen. In der Jagdsaison 2007/2008 wurden in Deutschland 447.000 Tiere geschossen. 2010/2011 waren es 579.000 Tiere, was einem Anstieg um 30 % innerhalb von drei Jahren entspricht. 

 

Seit der Atomkatastrophe von Tschernobyl muss das Fleisch erlegter Wildschweine in den südlichen Regionen Deutschlands auch auf die radioaktive Belastung durch Caesium untersucht werden. In Sachsen werden etwa 40 % der geschossenen Wildschweine vernichtet, weil sie den Grenzwert von 600 Bq/kg überschreiten.

 

Wenn sie in der Natur einem Wildschwein oder sogar einer ganzen Rotte begegnen sollten sie nicht panisch davon rennen. Freuen sie sich, wenn sie die schlauen Tiere einmal sehen und bleiben sie ruhig stehen. Sollte ein einzelner Keiler neugierig werden und ihnen zu nah kommen, dann suchen sie sich einen hohen Baum. Bei einem Wettrennen ziehen sie immer den Kürzeren. Wildschweine sind sehr viel schneller als Menschen.

 

kämpfende Frischlinge

Diese Frischlinge wurden allein im Wald gefunden. Ohne ihre Mutter wären sie verloren. Deshalb wurden sie mit der Flasche aufgezogen und später wieder in den Wald entlassen.

 

 

Auge in Auge mit einem Wildschwein

Als ich dieses Wildschwein filmte war ich von den Tieren umzingelt. Hinter mir war ein See mit einem breiten Schilfgürtel. In diesem Schilfgürtel habe ich mehrere Schweine gehört. Nach meiner Schätzung waren es etwa 15 oder 20 Tiere. Gesehen habe ich nur dieses eine und noch ein weiteres Schwein. Die anderen blieben in Deckung und haben fröhlich gegrunzt. Das Schwein im Bild ist genau bis zu dem Punkt gelaufen, an dem ich zuvor durch das Gras gegangen bin. Als es meinen Geruch aufgenommen hat, ist es stehen geblieben und dann umgekehrt. Gesehen hat es mich nicht, weil ich mich nicht bewegt habe. Stocksteif stand ich auf einem umgestürzten Baum und habe abgewartet, bis die Schweine wieder verschwunden waren.

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